Klaudia Hanselmann aus Buchs.
1/4 Klaudia Hanselmann aus Buchs.
Hanspeter Keller aus Buchs.
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Monika Soller aus Walenstadt.
3/4 Monika Soller aus Walenstadt.
Christian Staub aus Wangs.
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28.05.2015 08:05

Arbeit statt Sozialhilfebezug

HAAG Arbeitslose sind froh um die Arbeit in der Sozialfirma Dock

Die Sozialfirma DOCK//Gruppe mit einem Standort in Haag stellt Arbeitslose nach dem Motto «Lohn statt Sozialhilfe» ein. COO Dr. Lynn Blattmann und Angestellte im Gespräch.

Die Firma «Dock Buchs» bietet Arbeit für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Stelle mehr finden und dennoch arbeiten wollen. Wer in der Dock Gruppe arbeitet, bekommt dafür im Schnitt rund 14 Franken Brutto an sozialversichertem Lohn pro gearbeitete Stunde und kann so einen Teil seines Lebensbedarfs wieder selbst erarbeiten. Für zahlreiche Arbeitslose ist die Anstellung bei der Firma Dock eine neue Chance für die Zukunft im Arbeitsmarkt. Angestellte der Firma «Dock Buchs» und die Geschäftsführerin Lynn Blattmann gaben den Oberland Nachrichten Auskunft.

Seit wann gibt es die Sozialfirma Dock Buchs?

COO Dr. Lynn Blattmann: Der Betrieb in Buchs wurde im Frühjahr 2011 gegründet. Bis 2013 arbeiteten wir gegenüber vom Bahnhof Buchs im alten Postgebäude. Neu ist die Firma an der Industriestrasse 9 in Haag stationiert.

Wie ist diese entstanden?

Dock Buchs ist der fünfte Betrieb der Dock Gruppe AG St. Gallen, er entstand aus einer Initiative der Gemeinden im Raum Buchs und Sarganserland. Auch einige Rheintaler Gemeinden haben sich dafür eingesetzt.

Was ist das Ziel der Sozialfirma Dock Buchs?

Wir schaffen Arbeitsplätze für Personen, die lange keine Arbeit mehr gehabt haben und von der Sozialhilfe leben müssen. Im Dock Buchs haben sie einen verlässlichen und unbefristeten Arbeitsplatz, bis sie wieder eine Festanstellung gefunden haben.

Wie viele Leute sind derzeit angestellt?

Derzeit sind 90 Personen bei uns angestellt.

Sind alle Angestellten aus der Region Werdenberg-Sarganserland?

79 Personen kommen aus der Region Werdenberg-Sarganserland, acht Personen aus Rheintaler Gemeinden. Marco Sabbatini (Betriebsleiter), Fabian Engbersen (Abteilungsleiter) und Michael Rutzer (Büroassistent in Ausbildung) bilden das Führungsteam beim Dock-Standort in Haag.

Meistens sind es Langzeitarbeitslose, welche bei Ihnen eine Anstellung finden. Gibt es dennoch bestimmte Aufnahmekriterien?

Nein, wir nehmen grundsätzlich alle, die bei uns arbeiten möchten und die vom Sozialamt angemeldet werden, auf.

Was ist die Hauptaufgabe der Angestellten?

Unsere Arbeitnehmenden produzieren Mischerelemente und Kartuschen für Mehrkomponentenklebstoffe für die Firma Sulzer Mixpac, welche im gleichen Gebäude in Haag ihren Sitz haben. Diese Elemente werden in der Industrie in sehr grossen Stückzahlen für Klebverbindungen verwendet.

Auf was wird bei den Angestellten besonderen Wert gelegt?

Wichtig ist, dass alle sorgfältig arbeiten und die Qualitätsvorgaben einhalten. Wir sind sehr stolz darauf, dass unser Kunde mit unserer Arbeit zufrieden ist.

Es gibt Aufstiegsmöglichkeiten. Welche sind das?

Wer gut arbeitet, kann befördert werden und auch ein höheres Pensum arbeiten. Ziel ist es, dass jemand einen möglichst grossen Teil seines Lebensunterhalts wieder selbst verdienen kann.

Wie werden die Löhne berechnet und finanziert?

Wir haben in allen Docks das gleiche Lohnsystem. In der ersten Stufe bekommen alle zwölf Franken Brutto pro Stunde. Dieser Lohn kann stufenweise ansteigen. Am höchsten ist der Lohn, wenn jemand für längere Zeit im Personalverleih arbeitet. Dort wird verhältnismässig ein normaler Lohn bezahlt.

In welchem Zeitraum verlassen die Angestellten die Sozialfirma und wechseln in den Arbeitsmarkt?

Unsere Angestellten wechseln, sobald sie eine Stelle gefunden haben. Leider gibt es aber immer weniger geeignete Stellen und viele Menschen müssen daher lange Sozialhilfe beanspruchen.

Wie viele Leute finden nach Dock eine Festanstellung?

Letztes Jahr fanden etwas über 20 Prozent unserer Angestellten eine Festanstellung. Dieser Prozentsatz ist in den letzten Jahren bedauerlicherweise in allen Docks gesunken.

Welche Rückmeldungen erhalten sie von der Bevölkerung?

Die Bevölkerung nimmt uns kaum wahr. Von aussen sind wir eine Firma wie jede andere auch.

Wie reagieren die Angestellten?

Viele Arbeitnehmende sind froh, dass sie bei uns arbeiten können. Sie arbeiten sehr gerne, viel lieber als oft behauptet wird.

Lorena Baumgartner

Monika Soller aus Walenstadt

Monika Soller arbeitet 80 Prozent in der Firma Dock Buchs mit Standort in Haag. «Ich wurde im Jahr 2012 vom RAV ausgesteuert. Seit November 2014 arbeite ich in der Firma Dock Buchs. Mehrheitlich bin ich, wie alle anderen auch, in der Produktion tätig. Vermehrt werde ich aber auch im Personalverleih oder im Büro eingesetzt», so die 57-Jährige. Monika Soller ist eine ausgebildete Kauffrau mit rund 35-jähriger Berufserfahrung. «Nachdem ich arbeitslos wurde, habe ich teilweise im Restaurant am Buffet, als Malerin oder im Bereich der Physiotherapie ausgeholfen. Durch die Anstellung bei der Firma Dock Buchs habe ich wieder eine Tagesstruktur und bin aufgestellter», so Soller. Obwohl Monika Soller derzeit keine Aussichten auf eine Festanstellung hat, bringt sie viel Motivation und Arbeitsmoral an den Arbeitsplatz. «Solange ich arbeiten kann, fühle ich mich selbstständig. Ich bin abends zwar müde, doch leider fehlt mir bei der Arbeit etwas die geistige Herausforderung», erklärt sie. Für den Traum einer Festanstellung im Bereich Verkauf Innendienst schreibt die Walenstadterin regelmässig Bewerbungen. «Wegen meines Alters ist dies aber leider nicht so einfach», so Monika Soller.

Christian Staub aus Wangs

Christian Staub aus Wangs ist seit rund zwei Jahren in der Firma Dock Buchs angestellt. Er hat in seiner Jugend eine Lehre als Kaufmann gemacht. Im Jahr 2011 wurde er arbeitslos. «Ich habe bisher rund 300 Bewerbungen geschrieben, leider bekomme ich ständig nur Absagen. Mein Alter spielt bei der Jobsuche eine zentrale Rolle. Dennoch kann ich sagen, dass ich nicht auf der faulen Haut liege, sondern etwas unternehme, um meine Situation zu verändern», so Christian Staub aus Wangs.

Klaudia Hanselmann aus Buchs

Klaudia Hanselmann ist seit der Gründung vor vier Jahren in der Firma Dock Buchs und macht ihre Arbeit als Linien- und Waagleiterin gut. «Meine Aufgabe ist sehr interessant. Es gefällt mir, dass ich eigenständig arbeiten kann. Da ich zu 80 Prozent angestellt bin, habe ich nebenbei noch Zeit für meine zwei Töchter, die Jobsuche und eigene Bedürfnisse. Seit ich in der Firma Dock tätig bin, fühle ich mich ausgewogener. Es nimmt einem etwas den Druck, da ich durch die Arbeit hier keine Schulden beim Sozialamt mehr mache», so Klaudia Hanselmann aus Buchs.

Hanspeter Keller aus Buchs

Im November 2014 ist Hanspeter Keller aus Buchs zum zweiten Mal vom Sozialamt für die Arbeit in der Firma Dock Buchs angemeldet worden. «Nach meinem ersten Aufenthalt habe ich glücklicherweise wieder eine Festanstellung gefunden. Leider konnte ich den Job bei der SBB aus gesundheitlichen Gründen nicht behalten. Deshalb bin ich wieder hier und übernehme die Aufgaben im Lager. Ich kontrolliere den Eingang und Ausgang der Ware», so Keller.

Schicksalsschläge

Auch Hanspeter Keller hat in seiner Jugend eine Ausbildung gemacht. Er arbeitete 30 Jahre bei der SBB, bis seine Stelle durch die Automatisierung gestrichen wurde. «Nach der Kündigung bin ich nach Amerika gereist. Ich brauchte Abstand. Heute bin ich natürlich froh über die Anstellung bei der Firma Dock Buchs. Es gefällt mir, dass ich immer etwas zu tun habe und motiviere auch meine Arbeitskollegen». Auch Keller würde sich eine Festanstellung im ersten Arbeitsmarkt wünschen. «Ich bleibe in Bezug auf eine Anstellung realistisch. Denn meines Erachtens bin ich wahrscheinlich einfach zu alt. Die Suche bleibt bei über 50-Jährigen leider immer häufiger erfolglos trotz der Hilfe, die wir bekommen. Ob ich den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt noch finde, weiss ich daher nicht», erklärt Hanspeter Keller aus Buchs.